Betriebliches Eingliederungsmanagement – Ein Gewinn für alle Beteiligten

Sei es eine Hüft-OP, ein Bandscheibenvorfall, ein Tumor oder eine psychische Störung – manche Erkrankungen führen zu einer längeren Abwesenheit vom Job. Laut Dachverband der Betriebskrankenkassen machen chronische bzw. Langzeiterkrankungen mit einer Dauer von mehr als sechs Wochen fast die Hälfte aller Fehltage in deutschen Unternehmen aus (Knieps & Pfaff, 2015). Auch bei Bertelsmann sind diese für einen großen Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage insgesamt verantwortlich (Bertelsmann BKK 2017). Die Tendenz steigt – schon allein aufgrund der demografisch bedingten Alterung der Belegschaft.

Gesetzliche Grundlage und Zielsetzung

Nach langen Ausfallzeiten ist der Weg zurück in den Beruf nicht selten mit Schwierigkeiten verbunden. Neben den Sozialversicherungsträgern stehen in diesem Fall auch die Unternehmen in der Verantwortung, gesundheitlich eingeschränkten Mitarbeitern den Weg zurück an den Arbeitsplatz und in das gesellschaftliche Leben zu ebnen.

Der Gesetzgeber hat daher im §167 Abs. 2 SGB IX das sog. „Betriebliche Eingliederungsmanagement“ (BEM) verankert. Demnach ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, Beschäftigten ein BEM anzubieten, wenn diese im Laufe der vergangenen zwölf Monate länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren. Der Arbeitgeber hat dabei zu prüfen, ob die Arbeitsunfähigkeit ganz oder teilweise durch den Arbeitsplatz bzw. die Arbeitsbelastungen bedingt sind und ggf. für Abhilfe zu sorgen. Ziel ist es, die Arbeitsunfähigkeit der Mitarbeiter zu überwinden, erneuten krankheitsbedingten Fehlzeiten vorzubeugen und den Arbeitsplatz des betroffenen Mitarbeiters zu erhalten. Weiterhin sollen frühzeitig präventive Maßnahmen ergriffen werden, die helfen, einer Chronifizierung, Frühberentung, Behinderung oder erneuten Erkrankung vorzubeugen.


Ablauf, Vorgehen und beteiligte Personen

Sind die oben beschriebenen Voraussetzungen erfüllt, wird der betroffene Mitarbeiter schriftlich zu einem BEM eingeladen. Das Angebot ist freiwillig. Bei Zustimmung kann der Beschäftigte angeben, mit welcher Vertrauensperson aus dem Integrationsteam er sein Erstgespräch führen möchte. Bei Bertelsmann verpflichtend in den BEM-Prozess eingebunden werden ein Vertreter des Arbeitsgebers (häufig aus der Personalabteilung), der Betriebsrat sowie die Schwerbehindertenvertretung. Es empfiehlt sich, bei Bedarf und mit Einverständnis des Betroffenen weitere Experten hinzuziehen, z.B. den Betriebsarzt, die betriebliche Sozialberatung, die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder externe Stellen wie Rehabilitationsträger und Integrationsämter.


Das BEM-Verfahren sollte in einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben und ein Integrations- bzw. BEM-Team gebildet sein. Dieses Team steuert den Prozess und die Durchführung potenziell vereinbarter Maßnahmen und überprüft deren Wirkung. Der individuelle Maßnahmenplan kann dabei ganz unterschiedlich aussehen und reicht von der Veränderung des Arbeitsplatzes, der Arbeitsorganisation oder der Arbeitszeit bis hin zu Hilfsmitteln, Schulungen, Beratungen oder medizinischen Maßnahmen. Eine häufige Form der Reintegration ist die „stufenweise Wiedereingliederung“ (§44 SGB IX), bei der sich der Mitarbeiter allmählich wieder an die Anforderungen des Arbeitsplatzes gewöhnt und die verlorene Leistungsfähigkeit Schritt für Schritt aufbaut. Während dieser Zeit dauert die Krankschreibung offiziell an. Die Betreuung des Einzugliedernden erfolgt dabei in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt, wobei die Maßnahme sinnvollerweise auch vom Betriebsarzt begleitet wird.

Das BEM erfolgt immer unter der Wahrung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Das heißt: Alle Gespräche unterliegen der Schweigepflicht, der Betroffene ist nicht verpflichtet, medizinische Diagnosen zu nennen und die Dokumentation wird separat von der Personalakte aufbewahrt. Entscheidend für den Erfolg des BEM ist ein offener und vertrauensvoller Dialog, dessen Verlauf der Mitarbeiter selbst bestimmt.

Entscheidend für den Erfolg des BEM ist ein offener und vertrauensvoller Dialog, dessen Verlauf der Mitarbeiter selbst bestimmt.

Sie suchen Unterstützung?

Bei Fragen zum Thema BEM können Sie sich gerne an das Büro der Konzernschwerbehindertenvertretung (ksbv@bertelsmann.de) wenden.

Auch die Personalabteilung, der Betriebsarzt oder Ihre betriebliche Sozialberatung beraten Sie gern beim Aufbau und der Implementierung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements. Sie finden diese hier.  

 

 

Weiterführende Informationen:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2018): Schritt für Schritt zurück in den Job. Betriebliche Eingliederung nach längerer Krankheit – was Sie wissen müssen. Verfügbar hier