Tipps gesunde Arbeit

Schichtarbeit und Gesundheit

Schichtarbeit ist sowohl aus Versorgungsgründen als auch aus technischen und wirtschaftlichen Gründen als Arbeitszeitmodell notwendig und stellt Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor große Herausforderungen. Denn Mitarbeiter, die in Schichten oder in der Nacht arbeiten, sind besonderen Belastungsfaktoren bezüglich ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit ausgesetzt. So sind sie beispielsweise öfter von Schlafstörungen betroffen und fühlen sich häufiger in ihrem sozialen Leben beeinträchtigt, gerade wenn es darum geht, die Anforderungen der Familie und des Berufs zu vereinbaren. Schichtarbeiter müssen einerseits selbst ein besonderes Augenmerk auf Ihre Gesundheit legen und andererseits für die Balance zwischen Arbeit und Freizeit sowie zwischen Ermüdung und Erholung sorgen. 

Die Arbeitgeber sind dabei gefordert, gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz zu schaffen. Dazu gehört auch eine gesundheitsgerechte und sozialverträgliche Schichtplanung. Wird die Schichtarbeit auf Basis der Bedürfnisse und Wünsche der Arbeitnehmer gestaltet, unterstützt dies deren eigenverantwortliches gesundheitsförderliches Verhalten.

Bei der Arbeitszeitgestaltung sollten unternehmensspezifische und individuelle Faktoren der Arbeitnehmer berücksichtigt und in den Gestaltungsprozess einbezogen werden. 

Empfehlungen zur gesundheitsgerechten Gestaltung von Schichtarbeit

Auch wenn keine einheitlichen, universellen Lösungen zur Gestaltung von Schichtarbeit gegeben werden können, gibt es eine Reihe an arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen. Ziel ist dabei nicht etwa, alle nachfolgend dargestellten Punkte gleichzeitig zu berücksichtigen und 1:1 umzusetzen, sondern sie gemeinsam mit den Mitarbeitern an die unternehmensspezifischen und individuellen Anforderungen anzupassen. 

Gemäß den arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen zeichnet sich eine gesundheitsgerechte Schichtplangestaltung unter anderem durch einen Schichtwechsel in Vorwärtsrichtung aus. Darüber hinaus ist die Pausengestaltung zu berücksichtigen.

Schichtpläne sollten außerdem langfristig und übersichtlich gestaltet werden, gleichzeitig aber so flexibel sein, dass Wechsel und individuelle Lösungen möglich sind. 

  1. Rotationsrichtung von Schichtplänen:
    Schichtpläne mit Vorwärtswechsel bevorzugen
  2. Anzahl aufeinander folgender Nachtschichten:
    Maximal 3 aufeinander folgende Nachtschichten
    Keine Dauernachtschicht
  3. Arbeitsfreie Zeit nach Nachtschichtphase:
    Möglichst 2 freie Tage nach Nachtschichtphase
    Schichtfolge Nacht – Frei – Früh vermeiden
  4. Aufeinanderfolgende Spätschichten:
    Maximal 3 Spätschichten hintereinander
    Keine Dauerspätschicht
  5. Mindestanzahl von freien Tagen und Arbeitstagen:
    Mindestens 2 aufeinanderfolgende Arbeitstage und freie Tage
  6. Wochenendfreizeit:
    Mindestens einen Tag am Wochenende frei
  7. Frühschichtbeginn:
    Nicht zu früher Beginn: Ideal 7:00 Uhr
  8. Limitierung von Arbeitszeit:
    Vermeidung überlanger täglicher Arbeitszeiten und Arbeitsperioden
  9. Wochenarbeitszeiten:
    Gleichmäßige Wochenarbeitszeiten planen
  10. Vorhersehbare und überschaubare Schichtpläne:
    Kurzfristige Änderungen der Schichtpläne vermeiden
    Regelmäßige Schichtfolge für die private Planung
    Langfristig planen
  11. Flexibilität vorsehen:
    Möglichkeiten zum Schichttausch bieten
    Starre Arbeitszeiten möglichst vermeiden
    Wahlmöglichkeiten zwischen Schichtmodellen bieten


Sowohl freie Tage nach Nachtschichten als auch regelmäßige Wochenenden sind für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit entscheidend. 

Weiterführende Informationen:

Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) (2015): Schichtarbeit und Gesundheit. Verfügbar hier.

BAuA (2005): Leitfaden zur Einführung von Schicht- und Nachtarbeit. Dortmund: BAuA. Verfügbar hier.