Tipps gesunde Arbeit

Fehlzeiten

Sie geben allerdings nur bedingt Auskunft über Leistungsfähigkeit und Gesundheit, denn nicht jeder abwesende Mitarbeiter ist krank und nicht jeder anwesende Mitarbeiter ist vollkommen gesund, leistungsfähig oder leistungsbereit. Neben arbeitsbezogenen Faktoren (z.B. Arbeitsinhalte und Führung) wirken sich auch umweltbezogene (z.B. Jahreszeit und Sozialsystem) sowie personenbezogene Faktoren (z.B. Alter und Lebensweise) auf die Abwesenheit vom Arbeitsplatz aus. Fehlzeiten sind somit nur die Spitze des Eisbergs. Man unterscheidet drei Arten von Fehlzeiten: Die Abwesenheit durch Urlaub, durch Krankheit und durch motivationsbedingte Abwesenheit. Fehlzeiten stellen einen harten Faktor dar, durch den sich Aussagen über die Arbeitsunfähigkeits-Quote und über krankheitsbedingte Kosten treffen lassen. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) belaufen sich die durchschnittlichen Kosten für einen Tag Arbeitsunfähigkeit pro Mitarbeiter auf 250€ (BAuA 2015). Daneben sollten aber auch sogenannte weiche Faktoren berücksichtigt werden.

Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit lassen sich nicht alleine anhand von Fehlzeiten analysieren. 

Wenn die Fehlzeiten ansteigen – Ursachen und Gründe

Die Ursachen von Fehlzeiten können vielfältig sein und werden durch arbeitsbezogene, umweltbezogene und personenbezogene Faktoren beeinflusst. Relevant können der eigene Gesundheitszustand oder das Alter sein, aber auch die Inhalte der Arbeit und das Verhalten des Vorgesetzten. Es muss zudem berücksichtigt werden, dass Umwelteinflüsse wie das Klima zu saisonalen, natürlichen Fehlzeitenanstiegen führen können, wie bspw. in Jahreszeiten, in denen vermehrt Infektionskrankheiten auftreten.

Die Art von Fehlzeiten, die am ehesten beeinflussbar ist, wird als Absentismus bezeichnet. Diese Fehlzeiten entstehen durch motivationsbedingte Probleme, die häufig in Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen stehen. Es kann angenommen werden, dass ca. 20% der Fehlzeiten auf Absentismus zurückzuführen sind (Brandenburg & Nieder 2009). Mögliche Ursachen dafür sind Führung, Betriebsklima, Arbeitsorganisation und –umgebung sowie Unzufriedenheit oder mangelhafte Identifikation mit der Arbeit. Sehr hohe bzw. ungewöhnlich stark angestiegene Fehlzeiten können eine Reaktion auf Missstände in der Organisation darstellen, wie z.B. auf Konflikte im Team oder Überbelastung. 

Führungskräfte können Fehlzeiten beeinflussen

Es ist ein Irrglaube, dass Führungskräfte allein für Fehlzeiten ihrer Mitarbeiter verantwortlich sind. Allerdings haben sie besondere Einflussmöglichkeiten auf die Gesundheit und das Verhalten ihrer Mitarbeiter. Über Mitarbeiterbefragungen bei Bertelsmann konnte festgestellt werden, dass Führung und Gesundheit im Konzern signifikant miteinander zusammenhängen. Mitarbeiter fühlen sich demnach auch in Zeiten als hoch empfundener Belastung gesundheitlich gut geschützt, wenn sie partnerschaftlich geführt werden. Zudem weisen partnerschaftlich geführte Unternehmensbereiche einen deutlich niedrigeren Krankenstand auf als anders geführte Bereiche. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Krankenstand nur die Symptome und keine Ursachen aufzeigt (Netta 2011).

Ein partnerschaftlicher Führungsstil fördert ein gesundes Betriebsklima

Suchen Sie mit Ihren Mitarbeitern frühzeitig das Gespräch und fragen Sie sie, was Ihnen wichtig ist. Sie können z.B. das Januargespräch oder den Leistungs- und Entwicklungsdialog nutzen, um regelmäßig über gesunde Strukturen zu sprechen. Warten Sie nicht, bis sich bereits Probleme entwickelt haben und Ihre Mitarbeiter lange ausfallen.
Wichtige Faktoren dabei sind:

  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Interesse, Aufmerksamkeit und soziale Unterstützung
  • Beteiligungsmöglichkeiten und regelmäßige Kommunikation
  • Stimmung und Betriebsklima
  • Umfassende Information und Transparenz zur Strategie
  • Freiraum in der persönlichen Arbeit
  • Einbeziehung in Entscheidungsprozesse

Fehlzeiten lassen sich präventiv durch eine gesundheitsorientierte, partnerschaftliche Führung reduzieren. 

Krankheitsbedingte Fehlzeiten können nicht komplett vermieden werden und die Ursachen dafür liegen nur bedingt im Einflussbereich der Führungskraft. Vielmehr ist eine gesunde Teamkultur wichtig, in der ein offener und ehrlicher Umgang mit Gesundheit und Krankheit gelebt wird. Im akuten Krankheitsfall sollten sich die Mitarbeiter ohne Ängste regenerieren können, bei motivationsbedingten Problemen sollte eine Kultur herrschen, die eine offene Ansprache von Konflikten und Problemen ermöglicht. Es ist besonders wichtig, alle Mitarbeiter im Blick zu haben und nicht nur diejenigen, die bereits hohe Fehlzeiten aufweisen. Im Sinne der Prävention stellen vor allem die anwesenden Mitarbeiter eine wichtige Zielgruppe dar, um für ein gesundes Betriebsklima zu sorgen und Fehlzeiten vorzubeugen.

Für die Auswertung der krankheitsbedingten Fehlzeiten in Ihrem Bereich wenden Sie sich an Ihre Personalabteilung vor Ort oder an die betreuende Krankenkasse.

Möchten Sie weitere Informationen zum Thema Führung und Gesundheit? Unter „Führung und Team“ finden Sie entsprechende Weiterbildungs- und Seminarangebote. 

 

Weiterführende Informationen:

Badura, B., Walter, U. (2014): Führungskultur auf dem Prüfstand. In: Badura, B., Ducki, A., Schröder, H., Klose, J., Macco, K. (Hrsg.): Fehlzeiten-Report 2014. Erfolgreiche Unternehmen von morgen – gesunde Zukunft heute gestalten. Heidelberg: Springer, S. 149-161.

Kramer, I., Oster, S., Blum, M. (2015): Führungskräfte sensibilisieren und Gesundheit fördern – Ergebnisse aus dem Projekt „iga.Radar“. Berlin: AOK Bundesverband.