Best Practice

RTL Nord hat „Gesundheit auf’m Schirm“

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integrativ und ganzheitlich in einem herausfordernden Arbeitsumfeld aufbauen und langfristig etablieren: Das war Ziel des Pilotprojektes des Bertelsmann Gesundheitsmanagements bei RTL Nord, einem Tochterunternehmen der Mediengruppe RTL Deutschland.

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel, das ist keine Neuigkeit. Doch wie kann Gesundheitsmanagement in den Marathon des Alltags integriert und gleichzeitig systematisch angegangen werden? Das Bertelsmann Gesundheitsmanagement hat es sich zur Aufgabe gemacht, Rahmenbedingungen für eine zielgerichtete Umsetzung zu schaffen und Hilfestellung in Sachen Gesundheitsmanagement und dessen strategischen Aufbau zu leisten. Um ein einheitliches Verständnis von Gesundheit zu schaffen, ein exemplarisches Vorgehen für Gesundheitsmanagement im Unternehmen zu entwickeln und die Umsetzbarkeit zu demonstrieren, wurde ein entsprechender BGM-Prozess in einer repräsentativen Konzernfirma pilothaft durchgeführt. Die Zielsetzung war es, im Sinne eines Leuchtturmprojektes, auch für andere Konzernfirmen Anhaltspunkte für eine Übertragbarkeit zu bieten. Vor diesem Hintergrund wurde die Mediengruppentochter RTL Nord ausgewählt, die durch ein tagesaktuelles TV-Inhalte-Geschäft gekennzeichnet und mit rund 100 Beschäftigten an vier Standorten in Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel vertreten ist. Die Erstellung und Produktion anspruchsvoller Programminhalte unter permanentem Zeitdruck und den akustischen Gegebenheiten einer Großraumredaktion gehören hierbei ebenso zum Alltag wie regelmäßige Außeneinsätze der Redakteure für Dreharbeiten. Ein integratives Gesundheitsmanagement unter diesen unveränderlichen Rahmenbedingungen? – Und ob! Unter dem Motto „Gesundheit auf´ m Schirm“ startete das Pilotprojekt, welches einen großen Erfolg verzeichnete. Wir treffen Geschäftsführer Michael Pohl und die Projektverantwortliche Vivien Burgdorff zum Interview im modernen RTL Nord-Sendezentrum hinter den Ziegeln einer sanierten Hamburger Eisenbahnfabrik.

 

Herr Pohl, was ist aus Ihrer Sicht heute anders als vor dem Projekt?

MP_Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeitsabläufe geworden. Die Begriffe „Mitarbeiter“ und „Gesundheit“ haben sich im Laufe des Projektes zu einem für jeden RTL Nordler erfahrbaren Themenkomplex positiv verbunden. Das Pilotprojekt hat dem komplexen Thema Mitarbeitergesundheit den nötigen Stellenwert und die Aufmerksamkeit geschaffen, die es in unserem anspruchsvollen Arbeitsumfeld erfordert. Das BGM als integrativen Bestandteil in allen Teams und über alle Hierarchieebenen bei RTL Nord zu implementieren und es in den täglichen Prozessen ganz selbstverständlich zu leben, ist für mich der wesentliche Erfolg dieses Projektes. Nicht vereinzelter Aktionismus wirkt nachhaltig, sondern dass jetzt jeder Mitarbeiter und jede Führungskraft bei RTL Nord „Gesundheit auf´ m Schirm“ hat und danach handeln und entscheiden kann.

 

Frau Burgdorff, wie sah das konkrete Vorgehen im Projekt aus?

VB_Zu Beginn des Projektes wurde eine Steuerungsgruppe in handlungsfähiger Größe mit Vertretern der verschiedenen Standorte und Bereiche gegründet, um eine praxisnahe Betrachtung des Themas zu gewährleisten. Der erste unerlässliche Schritt unserer Arbeit war es, eine eingehende Analyse der vorliegenden Daten sowie der Belastungs- und Ressourcensituation vor Ort vorzunehmen. Sie stellt die Basis unseres systematischen Vorgehens dar, aus der wir anschließend alle weiteren Schritte abgeleitet haben. Neben dem Blick auf klassische Kennzahlen, wie Fehlzeiten oder Altersstruktur, haben auch die Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen und Teamgesprächen Hinweise in Bezug auf Belastungsfelder geboten. Die Durchführung von Arbeitssituationsanalysen (ASA) und einer Gesundheitsbefragung hat dieses Bild weiter vervollständigt. Aus den zentralen Ergebnissen dieser Analysen haben wir dann eine Vielzahl an Gesundheitsmaßnahmen abgeleitet. Zudem wurden Mitarbeiter und Führungskräfte durch Workshops oder Beratungsangebote für eine gesundheitsorientierte Verhaltensweise sensibilisiert. Anhand einer wiederholten Befragung zum Ende des Pilotprojektes wurden die erfreulichen Positiveffekte der vielfältigen verhältnis- und verhaltenspräventiven Maßnahmen sichtbar. In allen abgefragten Bereichen wurden Verbesserungen erzielt, so zum Beispiel auch eine deutliche Steigerung der körperlichen und psychischen Arbeitsfähigkeit sowie der Arbeitsplatzzufriedenheit. Auch der Anteil derjenigen, die trotz Erkrankung bei der Arbeit erscheinen, konnte deutlich reduziert werden.

 

Welche Faktoren im Vorgehen sehen Sie rückblickend als besonders erfolgsentscheidend an?

VB_Die Partizipation der unterschiedlichen Interessengruppen war ein entscheidender Erfolgsfaktor für das Projekt: Von Beginn an wurden alle relevanten Akteure in die Entwicklung des BGM miteinbezogen, sprich, Geschäftsführung, Führungskräfte, Betriebsrat und Vertreter der Belegschaft unterschiedlicher Arbeitsbereiche waren intensiv an dem Prozess beteiligt. So konnte frühzeitig ein gemeinsames Verständnis von Gesundheit geschaffen werden, auf dessen Basis wir ein zu uns und unseren Rahmenbedingungen passendes BGM entwickelt haben. Eine unabdingbare Voraussetzung, um zielgerichtete und damit am Ende auch wirksame Maßnahmen zu entwickeln, ist eine gründliche Analyse der spezifischen Belastungsfaktoren und gesundheitsrelevanten Bedürfnisse im Unternehmen. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein „Maßnahmenbündel“, sondern ein kontinuierlicher Prozess, an dessen Ende aus den Analysen abgeleitete, spezifische und vor allem zielgerichtete Maßnahmen stehen.

"Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein ‚Maßnahmenbündel‘, sondern ein kontinuierlicher

Prozess.“ Vivien Burgdorff

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie im Prozess konfrontiert?

VB_Eine Kernherausforderung bei der Planung von Maßnahmen ist es, diese bei uns in den tagesaktuellen Redaktionsalltag zu integrieren. Deshalb legen wir immer wieder unseren Fokus auf die kleinen „Gesundheitsstellschrauben“ im beruflichen Alltag, wie z. B. eine gerechte Belastungsverteilung durch eine optimierte Arbeitsorganisation, die ebenfalls eine große Wirkung haben. Hierzu zählen z. B. auch ein achtsamer und wertschätzender Umgang miteinander oder eine offene Kommunikation zu Gesundheitsthemen aller Art. Durch das Projekt sind Führungskräfte und Mitarbeiter gleichermaßen für diese Themen sensibilisiert.

 

Herr Pohl, welche Auswirkungen hat das Projekt auf Ihren geschäftlichen Alltag und wie geht es weiter bei RTL Nord?

MP_Alle operativen Prozesse werden jetzt auch aus dem Blickwinkel der Mitarbeitergesundheit betrachtet und bewertet. Gesundheit wurde zu einem integrativen Bestandteil unserer Unternehmenskultur und fließt in die kleinen und großen Entscheidungen des Geschäftsalltags ein. Es weht ein gesunder Wind durch die Flure von RTL Nord, der auch nach Projektabschluss fester Bestandteil der Strukturen und der Unternehmenskultur bleiben wird, beispielsweise durch die feste Etablierung der regelmäßig tagenden Steuerungsgruppe, die ihre Aktivitäten aufrechterhalten wird. Was mit einem Projekt begann, wird nun in einen dauerhaften Prozess überführt.

"Gesundheit wurde zu einem integrativen Bestandteil unserer Unternehmenskultur und fließt in die kleinen und großen Entscheidungen des Geschäftsalltags ein.“

Michael Pohl